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Was ist Nächstenliebe?

Beantwortet am 8. Dezember 2025 5 Quellen

Die christliche Tugend der Nächstenliebe


Kurz gesagt

Nächstenliebe ist die Tugend, durch die wir unseren Mitmenschen aus Liebe zu Gott lieben und ihr wahres Wohl suchen – nicht nur im Gefühl, sondern in konkreten Taten, besonders gegenüber Armen und Schwachen. Sie wurzelt im Doppelgebot der Liebe und ist untrennbar mit der Liebe zu Gott verbunden: Was wir dem Nächsten tun, tun wir Christus selbst.

Nächstenliebe ist im christlichen Sinn die von Gott geschenkte und durch seine Gnade erweckte Liebe zu den Mitmenschen – aus Liebe zu Gott. Sie ist nicht nur Gefühl, sondern eine beständige innere Haltung, die sich in konkreten Werken zeigt: im Wohlwollen, im Vergeben, im Teilen, im Beistehen und im Respekt vor der Würde jedes Menschen.

  1. Biblische Grundlegung
    Jesus fasst das Gesetz Gottes im Doppelgebot der Liebe zusammen:
  • Liebe zu Gott: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben …“
  • Liebe zum Nächsten: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (vgl. Mt 22,37–391).

Zum „Nächsten“ wird nach Jesu Lehre jeder Mensch, der meiner Hilfe bedarf – unabhängig von Herkunft, Religion oder Sympathie (Gleichnis vom barmherzigen Samariter, Lk 10,25–372). In Mt 25,31–463 macht Jesus deutlich, dass das, was wir dem geringsten seiner Brüder tun, wir ihm selbst tun.

  1. Nächstenliebe als Tugend
    Der Katechismus sieht die Liebe (Caritas) als höchste göttliche Tugend:
  • Sie ist „kraft derer wir Gott um seiner selbst willen über alles lieben und aus Liebe zu Gott unseren Nächsten lieben wie uns selbst.“ (vgl. KKK 1822).
  • Sie ist die „Band der Vollkommenheit“ (Kol 3,14) und die Seele aller anderen Tugenden (vgl. KKK 1827).

Nächstenliebe bedeutet daher:

  • den anderen nicht als Mittel zu meinem Zweck zu benutzen, sondern als von Gott geliebtes Kind zu achten;
  • auch den Feind zu lieben und zu segnen, der Böses tut (vgl. Mt 5,43–48);
  • in Gedanken, Worten und Werken das Wohl des anderen zu suchen.
  1. Konkrete Gestalt der Nächstenliebe
    Die Kirche spricht hier von den Werken der leiblichen und geistigen Barmherzigkeit, etwa:
  • Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen;
  • Unwissende lehren, Zweifelnden raten, Trauernde trösten, Beleidigern verzeihen, für Lebende und Verstorbene beten.

Damit wird sichtbar: Nächstenliebe umfasst Tat und Herz. Sie bleibt nicht bei Emotionen stehen, sondern wird konkret – in Familie, Arbeit, Gesellschaft und besonders gegenüber Armen, Schwachen und Ausgegrenzten.

  1. Beziehung zur Gottesliebe
    Die Nächstenliebe ist unlösbar mit der Gottesliebe verbunden:
  • Wer Gott liebt, wird von seiner Liebe gedrängt, auch die Menschen zu lieben, die er geschaffen und erlöst hat (vgl. 1 Joh 4,20–214).
  • Umgekehrt ist echte Nächstenliebe immer offen auf Gott hin, auch wenn sie sich im Alltag oft ganz schlicht und unspektakulär zeigt.

Zusammengefasst: Nächstenliebe ist die göttliche Liebe, die in uns wirkt und uns befähigt, jeden Menschen – Freund wie Feind – zu achten, zu vergeben und sein wahres Wohl zu suchen, um Gottes willen.

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Quellen und weiterführende Fragen

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