Warum die Kirche viele Bibelstellen miteinander vergleicht
Kurz gesagt
Die Kirche zitiert viele Bibelstellen, weil die Heilige Schrift als ein Ganzes gelesen werden muss: Eine Stelle wird durch andere erhellt und ergänzt. Das ist keine Wortklauberei, sondern der Versuch, die einheitliche Glaubenswahrheit aus der Gesamtbotschaft der Bibel, in Treue zur Tradition und unter Leitung des Lehramts, zu erkennen.
Die Kirche versteht die Heilige Schrift als ein Ganzes, das einen einzigen göttlichen Urheber hat (vgl. 2 Tim 3,16). Deshalb darf man normalerweise nicht eine einzelne Stelle isoliert nehmen, sondern muss sie im Licht der ganzen Schrift lesen – das nennt man den „Schrift-um-Schrift“-Grundsatz oder: „Die Schrift legt die Schrift aus“.
Das ist nicht Wortklauberei, sondern eine Form der inneren Auslegung:
- Viele Aussagen der Bibel sind kurz, bildhaft oder situationsbezogen (z. B. Gleichnisse, Gesetzesvorschriften, prophetische Rede).
- Andere Stellen ergänzen, korrigieren einseitige Deutungen oder vertiefen die Aussage.
Das Lehramt der Kirche – also Papst und Bischöfe – hat von Christus her den Auftrag, die Schrift authentisch auszulegen (vgl. Dei Verbum 101). Es versucht, aus der Gesamtbotschaft der Bibel zu erkennen, was wirklich gemeint ist. Dazu gehören drei Grundregeln (vgl. KKK 112–114):
- Im Zusammenhang lesen (Kontext): Was bedeutet die Stelle im Zusammenhang des Abschnitts, des ganzen Buches, der gesamten Heilsgeschichte?
- In der lebendigen Tradition der Kirche lesen: Wie hat die Kirche seit den Anfängen geglaubt, gebetet, gefeiert?
- Auf die „Analogie des Glaubens“ achten: Keine Auslegung darf einem anderen gesicherten Glaubensgehalt widersprechen.
Wenn also ein theologisches Argument mehrere Bibelstellen zusammenführt, ist das – richtig betrieben – kein Spitzfindigkeitsspiel mit Wörtern, sondern der Versuch, die eine Wahrheit Gottes in der Vielfalt der biblischen Aussagen zu erkennen. Wortklauberei wäre es dann, wenn man:
- einzelne Wörter aus dem Zusammenhang reißt,
- bewusst Stellen ignoriert, die nicht passen,
- oder mit Bibelzitaten nur Rechtfertigung für eine vorgefasste Meinung sucht.
Die kirchliche Auslegung will demgegenüber die Schrift in ihrem inneren Zusammenhang, in Einheit mit der Tradition und unter Leitung des Lehramts verstehen. So soll verhindert werden, dass man aus einzelnen Versen beliebige oder sogar schädliche Lehren ableitet.
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Quellen und weiterführende Fragen
Quellen
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2 Timotheus 3,16-17 (öffnet Bibleserver in neuem Tab) Heilige Schrift
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